Eintrag vom 15. Februar

Ich brauchte nicht lange, um mir ein neues Jahresprojekt auszudenken. Ich möchte die Natur im Jahresverlauf festhalten. Für die kalten Monate Januar und Februar suchte ich mir Vögel aus, da diese in den kahlen Bäumen besonders gut zur Wirkung kommen. Speziell Krähen haben es mir angetan. Diese klugen und geschickten Vögel kommen bei mir in der Gegend auch häufig vor. Ich hatte jedoch nicht erwartete, oder auch nur daran gedacht, wie scheu diese Kreaturen sind. In der ersten Januarwoche hatte ich etwas Zeit, um auf Fotojagd zu gehen. Allerdings hatte ich es mir zu einfach vorgestellt. Kaum gesichtet, flogen die schwarzen Gesellen auch schon davon. Einer ließ sich jedoch gnädiger Weise auf einer Baumkrone nieder und ich konnte ein Bild machen. Dabei leistete mir mein neuer 2fach Telekonverter gute Dienste. Das Bild siehst du hier.

Zwei Tage später fuhr ich zu einem Feld, auf dem ich des Tags zuvor einen ganzen Schwarm Krähen erblickt hatte. Und ich konnte es nicht glauben, auch jetzt tummelten sich mehrere Dutzend auf dem Acker und den umliegenden Bäumen. Klasse, dachte ich, da kann ich bestimmt auch interessante Interaktion zwischen den Vögeln fotografieren. Ich stieg aus dem Auto, schnappte die Kamera und näherte mich vorsichtig dem Feld. Aber wohl nicht vorsichtig genug oder es lag an der Spaziergängerin mit Hund, wie dem auch sei, plötzlich flogen alle Vögel davon, selbst die in den Bäumen. Ich konnte nur noch ein Bild der Davonfliegenden machen und das war’s dann auch. Naja, dachte ich, dann halt später nochmal versuchen. Anders als die Vögel, fliegt das Thema ja nicht weg. Jedoch zwangen mich zuerst berufliche Angelegenheiten und dann eine Monstererkältung in die Knie, so dass die Kamera die nächsten vier Wochen in der Ecke liegenbleiben musste.

Eine Ausnahme gab es während meiner erzwungenen Auszeit durch das fiese Bakterium. Rein zufällig blickte ich einmal durchs Fenster und sah einen Mäusebussard auf dem Dach des gegenüberliegenden Hauses sitzen. Ich holte die Kamera, auf der auch noch das Tele mit dem Konverter befestigt war. Die Lichtverhältnisse waren katastrophal, aber egal. Jedoch machte mir in meinem kranken Zustand das Gewicht des Geräts schwer zu schaffen. Ich konnte es kaum länger als ein paar Sekunden hochhalten, geschweige denn ruhighalten. Ich dachte daran, das Stativ aufzustellen, mittlerweile wurde es auch kalt im Zimmer, da ich das Fenster geöffnet hatte. Lohnt es sich, für ein Foto tatsächlich die Gesundheit zu ruinieren? Hätte mich nicht in diesem Moment ein heftiger Hustenanfall geschüttelt, hätte ich ja gesagt, aber so schloss ich das Fenster und packte die Kamera wieder weg. Was soll’s, dachte ich. Es kommen auch wieder bessere Tage. Das Bild des Bussards ist zwar wie erwartet etwas unscharf geworden und die KI konnte nicht alles retten, aber ich zeige es hier trotzdem, da es in klein auch nicht ganz so schlecht aussieht.

Mittlerweile geht es mir wieder besser, es ist schon Mitte Februar und ich freue mich darauf, wieder auf Fototour zu gehen. Neben Krähen stehen jetzt auch Schneeglöckchen und andere Frühblüher auf dem Plan. Auf geht’s!

Eintrag vom 19. Februar

Ich habe Faschingsferien und doch nicht frei. Es gibt so viel für die Arbeit zu tun, dass ich schon ganz frustriert bin. Und der Haushalt macht sich leider auch nicht von allein. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die lieber nach dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ lebt, aber leider lässt sich das nicht so richtig mit der Fotografie in Einklang bringen, denn als Landschafts- und Naturfotografin tragen die Wetterbedingungen maßgeblich zur Wirkung eines Bildes bei. Letztens musste ich Einkäufe erledigen und die mache ich gerne gleich morgens, da man dann nicht so lange an der Kasse anstehen muss. Auf der Heimfahrt kam dann tatsächlich die Sonne heraus, die sich in den letzten Wochen recht rar gemacht hatte. Eigentlich wollte ich mich nach dem Einkauf an die Arbeit setzen, doch jetzt schnappte ich mir die Kamera, setzte das Makroobjektiv drauf und dann nichts wie raus in den Park, wo die Schneeglöckchen überall in kleinen Büscheln durchs Gras und Gestrüpp blinzeln. Vor lauter Aufregung rauszugehen, hatte ich mir jedoch nichts zum Hinknien eingepackt und auch noch die frische Hose anbehalten, statt in alte Klamotten zu schlüpfen. In meinem Alter ist die Hocke leider nicht mehr so leicht auszuhalten, aber was soll’s. Zudem hatte es auch wieder angefangen zu nieseln, was sich bei der späteren Bearbeitung als Glücksfall herausstellte, denn die Tropfen auf den Blüten sehen recht hübsch aus und ich zog auch einen dunkleren Stil vor, um die Blüten schön zur Geltung zu bringen. Aufgrund des Makroobjektivs ist die Schärfenebene extrem gering und ich konnte nur bei einem Motiv ein Focus-Stacking anfertigen. Da ich kein Stativ dabeihatte, legte ich die Kamera auf den Boden und hob das Objektiv durch eine kleine Unterlage an. Überraschenderweise funktionierte das ganz gut. Die Unschärfebereiche in den anderen Bildern finde ich jedoch auch recht interessant, da sie die Blüten meiner Ansicht nach geheimnisvoller machen.
Eintrag vom 22. Februar

Ich bekam nochmals die Gelegenheit Schneeglöckchen und auch Winterlinge zu fotografieren. Das Foto mit den gelben Winterlingen ist in mehrfacher Hinsicht interessant, denn es war nicht ungefährlich (schmunzel), dieses Bild zu bekommen. Es geschah, als ich mit meinem Mann bei meiner Mutter zu Besuch war. Ich hatte mein 10mm-Objektiv eingesteckt, da ich an diesem Tag etwas experimentierfreudiger eingestellt war. Auf dem Rückweg vom Restaurant liefen wir durch den Park und unter den Bäumen wuchsen dichte Büschel von anmutigen gelben Winterlingen. Während mein Mann und meine Mutter ins Gespräch vertieft weiterliefen, fotografierte ich aus der Hocke die Blumen und den Baum von unten. Plötzlich keifte eine Stimme in meinem Rücken: „Was, wenn das alle machen würden?“ Erschrocken drehte ich mich um und erblickte ein zusammengekniffenes, zorniges Gesicht einer alten Frau, die sich mühsam auf ihrem Rollator abstützte. „Ähhh“, brachte ich hervor, „ich fotografiere doch nur.“ Glücklicherweise wurde das Gesicht der Frau nun milder und ich brauchte nicht mehr zu befürchten, eine saftige Standpauke über abgepflückte Blumen ins Gesicht geschleudert zu bekommen. Sie entschuldigte sich höflich und ich meinte zu ihr, dass es schön sei, wenn sich Menschen für den Schutz der Natur einsetzen.

Die Perspektive des Bildes finde ich sehr inspirierend, da ja durch die Fisheye-Optik eine räumliche Verzerrung stattfindet, die hier den Baum und die Winterlinge in eine interessante Konstellation setzt. Da ich das 10mm-Objektiv auch für diesen Zweck gekauft hatte, bin ich mal gespannt, was sich noch alles damit anfangen lässt.
Zwei Tage später kam mal wieder die Sonne raus und obwohl ich noch Arbeit zu erledigen hatte, schnappte ich mir die Kamera. Es war vielleicht auch Schicksal, dass der Spruch meines Tischkalenders für diesen Tag so schön passte. Er lautete: Die Arbeit läuft dir nicht davon, während du deinem Kind den Regenbogen zeigst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bist du mit der Arbeit fertig bist.
Also musste ich den Sonnenschein ausnutzen und diesmal hatte ich auch an eine Unterlage zum Hinknien gedacht. So konnte ich Schneeglöckchenbilder machen, die vollkommen anders sind, als die von vor ein paar Tagen. Da noch Tropfen auf den Blüten waren, entstand ein wunderschönes Bokeh und es gelang mir auch, Focus-Stacking-Aufnahmen von einzelnen Blüten zu machen, was gar nicht so einfach war, denn jede Brise brachte die zarten Glöckchen zum Wackeln. Leider war der Sonnenschein nur von kurzer Dauer, aber ich hatte die Zeit zum Glück gut genutzt.