Wenn man sich mit Fotografie beschäftigt, wird einem schnell klar, dass man einen großen Teil seiner Zeit nicht hinter der Kamera sondern vor dem Bildschirm verbringt. Man hört immer wieder von Fotografen, dass sie ihre Motive schon so perfekt wie möglich ablichten wollen, so dass eine Bearbeitung nicht mehr notwendig ist. Das ist ein sehr lobenswertes und herausforderndes Ziel, ich persönlich schaffe das aber nicht. Mittlerweile macht mir die Bearbeitung der Bilder auch großen Spaß und ich habe gemerkt, dass das Vor- und Nachteile hat. Zum einen ist es für mich sehr befriedigend, einem Bild den letzten Schliff zu verleihen. Besonders wenn man wie ich nur in RAW fotografiert, dann muss man die Bilder hinterher noch bearbeiten, da sie sonst sehr flau aussehen. Ich benutze Photoshop mit dem integrierten Camera RAW und Lumiar Neo, um meine Bilder zu bearbeiten. Durch künstliche Intelligenz lässt sich auch ein nicht optimales Bild noch retten und leider liegt hier auch einer der großen Nachteile. Bisweilen werde ich zu nachlässig beim Fotografieren und denke, ach, das lässt sich hinterher noch optimieren. Dem ist zwar oftmals so, aber nicht immer. Ich denke, man muss die richtige Balance finden und dieser bin ich auf der Spur. Gerade in der Bildbearbeitung muss ich noch viel lernen. Im Verlauf dieser Seite habe ich einige Beispiele ausgewählt und werde an diesen meine Vorgehensweise und Gedanken mitteilen. Die Vorher-Bilder sind Originale, so wie sie direkt aus der Kamera kommen und völlig unbearbeitet.

Beispiel 1: Der Schimpanse

Was man alles noch aus einem Bild herausholen kann, habe ich an diesem Beispiel gemerkt. Vor einiger Zeit hat Photoshop das Tool „Spiegelungen entfernen“ in sein Programm eingebaut und das hat mich an ein Bild erinnert, das ich im Affenhaus in der Stuttgarter Wilhelma gemacht hatte. Damals benutzte ich noch die Nikon D5200 und durch die dunkle Umgebung war das Bild stark verrauscht, da sich der ISO, den ich in der Regel auf automatisch stelle, auf 5000 hochgeschraubt hatte. Die Bildkomposition gefiel mir, aber durch die Spiegelung in der Glasscheibe, das Rauschen und die allgemein schlechte Bildqualität landete das Bild unbearbeitet im Ordner und blieb da für eine Weile. Als Photoshop jetzt die Entspiegelung anbot, holte ich das Bild wieder hervor und war begeistert, wie gut das in diesem Beispiel klappte. Auch das Entrauschen war dank KI kein Problem mehr. Aber mir gefiel der Hintergrund nicht, was bei Aufnahmen in Zoos immer ein Manko darstellt. In Luminar Neo gelingt es mir besser als in Photoshop den Hintergrund auszutauschen und ich verwendete dabei die gleiche Vorgehensweise wie in meinem Projekt „Malerische Blüten“. Die Umwandlung in schwarzweiß bildete dann den nächsten logischen Schritt, um die Wirkung des eindringlichen Blicks des Schimpansen hervorzuheben. Auch vertiefte ich die Schatten und Linien im Gesicht des Tieres und schärfte noch einiges nach. Es ist eine starke Bearbeitung und man kann dazu stehen wie man will, aber für mich ist es ein Beweis, dass nicht jedes schlechte Bild gleich in den Papierkorb wandern muss.

Beispiel 2: Der Herbstwald

Einer meiner Lieblingsorte befindet sich nicht weit von meinem Zuhause entfernt. Die Bank am Anfang eines Waldweges lichtete ich zu jeder Jahreszeit ab und bastelte letztendlich auch eine Collage zusammen. Das Herbstbild jedoch enttäuschte mich, da die Blätter sehr farblos herauskamen und keine typische Herbststimmung entstand. Luminar Neo bietet viele verschiedene Presets an und ich probierte spaßeshalber einfach mal welche durch, da meine sonstigen Bearbeitungskniffe zu keinem erwünschten Ergebnis führten. Plötzlich stockte mir der Atem, denn ein Preset brachte mit einem Knopfdruck einen wahren Herbstzauber in dieses Bild. Dabei handelte es sich um ein Preset, das eigentlich für Wasseraufnahmen entwickelt wurde, aber das war mir egal, denn das Ergebnis war beeindruckend. Ich justierte noch ein bisschen die Lichter und Schatten aus und fertig war das Herbstbild. Ich musste jedoch feststellen, dass dieses Preset bei anderen Bildern nicht die gleiche Wirkung hatte. Es kann etwas Zeit kosten, das richtige Preset für ein Bild herauszufinden, aber es lohnt sich.

Beispiel 3: Der Himmel über Dinkelsbühl

Ein Kurztrip mit meinem Mann führte uns für ein Wochenende nach Dinkelsbühl und Umgebung. Dieses romantische Plätzchen gilt nicht umsonst als eine der schönsten Städte Deutschlands. Es war ein schöner, sonniger Tag und ich fotografierte die hübschen Häuser und Türme mit Begeisterung. Zuhause am Computer sahen die meisten Bilder auch gut aus, aber eine der Stadtansichten war enttäuschend ausgefallen, da der Himmel aufgrund des Sonnenscheins sehr blass herauskam. Mit einer Belichtungsreihe hätte ich bereits vor Ort das Problem umgehen können, aber wenn man mit einem Nichtfotografen unterwegs ist, kann man sich für ein Bild nicht ewig Zeit lassen, zumal ich auch kein Stativ dabei hatte. In Luminar Neo ist es recht einfach, den Himmel auszutauschen und ich hatte schon öfter darauf zugegriffen und auch schon einige von mir fotografierte Himmelsansichten und Wolken in der Datenbank. Wenn man den Himmel austauscht, muss man vorsichtig agieren, denn mir ist es wichtig, dass es dennoch natürlich aussieht. Also muss man auf die Lichter und Schatten im Bild achten und die gesamte Farbstimmung muss auch passen. Schwierig wird es bei Bäumen, denn an den Ästen wird der Austausch oft bemerkbar. Den eingefügten Himmel habe ich selbst fotografiert und er passt hier sehr gut, da ich die Wolken oberhalb der Bäume platzieren konnte. Die KI kann auch die Spiegelung der Wolken im Wasser recht gut imitieren, was die Szene realistischer macht. Die Farbanpassungen musste ich jedoch manuell vornehmen, da mir die Auswahl von Luminar nicht so gut gefiel. Ich denke, dass mir der Gesamteindruck bei diesem Bild ganz gut gelungen ist, obwohl sich ein geübtes Auge bei ganz genauem Hinsehen nicht täuschen lassen wird.

Beispiel 4: Mystische Pilze

Zuerst war ich von diesen Holzkeulen nicht sehr begeistert. Sie waren sehr klein und wirkten auf dem Baumstumpf etwas verloren und kein bisschen mystisch. Um alle Pilze scharf zu bekommen, benutzte ich Focus-Stacking. Das Originalbild besteht aus 60 Einzelaufnahmen, die ich mit Luminar zusammenfügte. Anschließend rückte ich das Bild noch etwas gerade und fügte die Lichtflecken per Ebenenbearbeitung hinzu. Die Farben zog ich mehr ins violett-bläuliche und zum Schluss sorgte der Regler „Leuchten“ in Luminar für die mystische Stimmung. Das Bild gefällt mir jetzt so gut, dass es das Dezember-Bild in meinem neuen Kalender für 2026 ziert.