Der Windenschwärmer (Agrius convolvuli)
Am 8. September 2025 entdeckte ich auf einem Gehweg aus Kieselstein-pflaster eine merkwürdige Erhebung. Ich blieb neugierig stehen und sah ein Insekt, das ich spontan als Riesenmotte bezeichnete. Da ich aber gerade auf dem Weg zu einem wichtigen Termin und schon etwas spät dran war, lief ich einfach weiter. Etwas später auf dem Rückweg hatte ich Glück, denn das Insekt war noch da, obwohl es bereits angefangen hatte zu regnen. Ich hatte nur mein Handy dabei und machte einige Aufnahmen. Zuhause schaute ich in meinen Bestimmungsbüchern nach und konnte das Insekt als Windenschwärmer identifizieren. Das etwa 10-12 cm lange Geschöpf ist wahrlich faszinierend und ich bedauerte es etwas, dass es seine Flügel eng angelegt hatte und so die hübschen rosa Streifen auf seinem Körper nicht zu sehen gewesen waren.
Der Windenschwärmer gehört zu den größten in Europa vorkommenden Nachtfaltern. Er ist ein Wanderfalter, also nicht standorttreu, sondern er fliegt jedes Jahr aus Südeuropa und Afrika zu uns nach Mitteleuropa, manchmal auch bis Skandinavien, um sich hier zu vermehren. Manche der hier geschlüpften Falter kehren im Herbst wieder in den Süden zurück. Die Hiergebliebenen überleben den Winter meist nicht. Seinen Namen erhielt er, weil seine bis zu 12 cm langen Raupen auf Windengewächse spezialisiert sind. Bemerkenswert ist auch sein bis zu 13cm langer Rüssel, mit dem er aus langröhrigen Blüten den Nektar naschen kann.
Es machte mir Sorgen, dass der Falter so ungeschützt auf dem Gehweg kauerte und daher leicht zertreten werden könnte, da er farblich perfekt getarnt war. Ich versuchte ihn sanft zum Davonfliegen anzuregen, doch er rührte sich kein bisschen. Als dämmerungs- und nachtaktiver Falter war es eben einfach nicht seine Zeit zu fliegen. Als ich am nächsten Tag den Weg wieder entlangging, war von dem Falter keine Spur mehr zu sehen. Ich hoffe, er überlebte bis zur Nacht und kann sich seines, wenn auch kurzen, Lebens erfreuen.

Ein Windenschwärmer sitzt gut getarnt auf einem Kieselsteinpflaster.
Durch seine graubraune Färbung ist der Windenschwärmer perfekt getarnt
Zum Größenvergleich stellte ich meinen Fuß mit Schuhgröße 38 neben den Falter.
Die Wasseramsel (Cinclus cinclus)
Am 2. März 2023 war ich auf meinem täglichen Weg zur Arbeit, als ich auf einem Stein im neben dem Weg fließenden Bach ein Paar Wasseramseln entdeckte. Ich hatte wegen des Projekts 365 die Nikon D5200 mit dem 70-200mm Objektiv dabei, was sich nun als Riesenglück herausstellte, denn mit der kleinen Sony hätte ich nur Punkte statt Vögel auf dem Display gesehen. Und selbst mit 200mm Brennweite blieben die Vögel recht klein, aber dennoch klar zu erkennen. Eine Wasseramsel hatte ich schon einige Male gesehen, aber nie fotografieren können, daher war ich entzückt, dass gleich zwei hier herumsprangen. Aus künstlerischer Sicht ist es ein schreckliches Foto, aber aus dokumentarischer Sicht sehr interessant. Die Elz, ein kleiner Bach, wurde im Zuge der Landesgartenschau in Mosbach 1997 renaturiert und aus dem einst begradigten Lauf wurde wieder ein natürlich laufendes Gewässer mit naturnaher Umgebung, was die ökologische Funktion des Baches wesentlich verbesserte. Wasseramseln sind Vögel, die sehr wählerisch sind, was ihren Lebensraum angeht, denn sie benötigen klare, sauerstoffreiche und schnell fließende Gewässer mit guter Wasserqualität. Daher gilt ihr Vorkommen als Bioindikator für saubere Bäche.
Sie ist die einzige aquatisch lebende Amselart und der einzige Singvogel, der schwimmen, tauchen und unter Wasser nach Nahrung suchen kann. Dabei „fliegt“ sie mir ihren kurzen Flügeln regelrecht durch das Wasser, um Insektenlarven, Krebstiere und kleine Fische zu erbeuten. Ihre Knochen sind schwerer als die anderer Vögel, was ihr das Tauchen erleichtert. Ein auffälliges Verhalten zeigt die Wasseramsel im ständigen „Knicksen“ – ein rhythmisches Wippen mit den Beinen, das vermutlich der Kommunikation dient. Eine dicke Fettschicht und ein dichtes, mit Öl von der Bürzeldrüse eingefettetes Gefieder schützt den Vogel im kalten Wasser.
Ich vermute, dass die beiden Vögel auf dem Bild ein Pärchen sind, das entweder schon Küken hat – bereits im Februar legen sie ihre Eier, aus denen bereits nach 16 Tagen die Küken schlüpfen – oder sich erst noch auf die Elternzeit vorbereitet.

Wasseramseln sind vor allem an ihrem weißen Brustlatz gut zu erkennen.