Unser zweiter mehrtägiger Ausflug führte uns in das romantische Karlsbad nach Tschechien. Auf dem Weg dorthin besuchten wir die Burg Loket in der gleichnamigen Stadt, die auf deutsch Elbogen heißt. Dabei handelt es sich um eine der ältesten Burgen in Tschechien, die auch als „Schlüssel zum Königreich Böhmen“ bekannt ist, da sie eine wichtige Rolle für die Herrschaft in dieser Region spielte. Im Jahr 1319 wurde dort ein Kind namens Wenzel gefangen gehalten, das als der spätere Kaiser Karl IV. auf die Burg zurückkehrte und während eines Jagdausfluges heiße Quellen in der Nähe entdeckte, was zur Gründung von Karlsbad geführt haben soll. Daher waren wir mehr als begierig, endlich in jene Stadt zu gelangen, die zu den bedeutendsten Kurstädten Europas zählt. Berühmt ist sie nicht nur wegen ihren 12 Heilquellen, sondern auch wegen ihren prunkvollen Jugendstilbauten, den Kolonnaden und ihren vielfältigen Kulturangeboten. Besonders die Kolonnaden, die als Herzstücke des Kurlebens gelten, sind von besonderem Reiz. Diese überdachten Säulengänge spiegeln die verschiedenen Baustile und Epochen wider. Neben diesen fotografisch sehenswerten Gebäuden fanden wir auch interessante Motive in der Porzellanmanufaktur Thun 1794, im Schmetterlingshaus Papilonia und im Becherovka-Museum. Als Frühaufsteher nutzte ich auch einmal die Gelegenheit, frühmorgens in der Stadt unterwegs zu sein und wurde mit leeren Straßen und einer schönen Lichtstimmung belohnt.

Ein Ausflug zum Hans-Heiling-Felsen führte uns in eine sagenumwobene Landschaft. Die Felsformation befindet sich im Egertal zwischen Karlsbad und Loket und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Kletterer, Wanderer und Kanufahrer. Der Legende nach soll der Zauberer Hans Heiling sich in ein einfaches Mädchen verliebt haben, obwohl er einer Wassernixe versprochen hatte, sich nie mit einer Sterblichen einzulassen. Als er dieses Mädchen sogar heiraten wollte, verwandelte die erboste Nixe den gesamten Hochzeitszug in Stein. Noch heute kann man die versteinerten Figuren mit viel Fantasie in den Felsformationen erkennen. Kein Wunder, dass sich viele Künstler und Gelehrte, darunter die Gebrüder Grimm und Johann Wolfang von Goethe, davon inspirieren ließen.

Die Tage in Karlsbad gingen viel zu schnell vorbei, aber es gab noch einen weiteren Augenschmaus auf der Rückfahrt – das nicht minder idyllische Marienbad. Wie Karlsbad zählt sie zu den berühmtesten Kurorten, allein im Stadtgebiet gibt es 40 Heilquellen. Dabei ist Marienbad erst im frühen 19. Jahrhundert durch die Trockenlegung eines Sumpfes als Kurort aus der Taufe gehoben worden und erlebte seine Blütezeit im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist die große Hauptkolonnade. Diese Eisenkonstruktion wurde 1889 erbaut und ist eine der größten in Tschechien. Zahlreiche Persönlichkeiten wie Goethe, Frédéric Chopin, Mark Twain und Sigmund Freud zählten zu Kurgästen der romantischen Stadt. Eine moderne Attraktion ist die Singende Fontäne, die 1986 eröffnet wurde und zu bestimmten Tageszeiten eine Choreografie von Wasserstrahlen mit musikalischer Untermalung bietet.